Blaumeise badet blue tit takes a bath

Durch den Panama Kanal

Through the Panama Canal


6 Wochen auf dem Schff

Eine Reise in Briefen

6 Weeks on the Boat

A journey in letters


S.S. Remuera

S.S. Remuera

 

...war das Schiff, mit dem meine Eltern reisten. Die Original-Briefe, die sie nach Hause sandten, wurden stark gekürzt.

Die Briefe hat meine Mutter alle auf einer kleinen Hermes Baby geschrieben, die sie überall auf der Reise zur Hand hatte.

Zuerst wohnten sie in Auckland und zogen später nach Christchurch. Einige Jahre nach ihre Auswanderung kehrten sie wegen familiären Gründen in die Schweiz zurück.

Leider gibt es kaum Fotos aus jener Zeit. Die meisten liegen auf dem Grund des Rotes Meeres - das Frachtschiff, auf dem sie sich befanden, gemeinsam mit anderen Habseligkeiten meiner Eltern, die ebenfalls nach Hause geschickt worden waren, wurde im Sechstagekrieg 1967 versenkt.

 

...was the boat my parents travelled on. The original letters that were sent home are highly shortened. All the letters were typed on the Hermes Baby that my mother always had at her hand during the journey.

First they lived in Auckland for a wile and moved then to Christchurch. A few years after their emigration they returned to Switzerland due to a family matter.

Unfortunately there are hardly any photos left from that time. Most of them are lying deep on the ground of the Red Sea along with many other belongings of my parents they sent home - the cargo ship they were on got sunk in the Six-Day War in 1967.


Der erste Brief ist datiert vom 1. Juli 1964 und wurde in Liverpool abgestempelt. Die Reise von der Schweiz dorthin führte mit dem Nachtzug nach Calais (F), mit der Fähre nach England und weiter mit dem Zug bis nach London. Nach einem kleinen Aufenthalt dort ging es weiter mit der Eisenbahn bis Liverpool, wo das Schiff, die S.S. Remuera, bereitlag.

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1. Juli 1964, London - Liverpool

Liebe Mutter,

hoffentlich ist Dir der Abschied nicht allzu schwer gefallen. Wir werden uns bestimmt wiedersehen. Seid Ihr denn alle gut nach Hause gekommen? Du musst entschuldigen, diese Hermes Baby schreibt kreuz und quer, und auch die Absätze stimmen nicht.

Im Zug nach Calais hatten wir sehr interessante Mitfahrer im Abteil, es war unterhaltsam, und die beiden, ein Brite und ein Australier, hatten viel zu erzählen.

Geschlafen haben wir nicht sehr gut im Zug, es war sehr kalt im Abteil. Sie haben uns in Lille (Frankreich) geweckt, und so hatten wir genügend Zeit fürs Frühstück, bis wir in Calais ankamen. Auch beim Umsteigen auf die Fähre ging alles gut. Glücklicherweise sind wir während der Überfahrt nach England nicht seekrank geworden.

Jetzt sitzen wir im Zug nach Liverpool, wir werden wahrscheinlich bald ankommen, ich werde dann gleich den Brief abschicken. Die nächsten Briefe gehen dann erst wieder aus Curaçao ab, und die haben dann etwas länger bis nach Hause.

Herzlichste Grüsse

The first letter is dated from 1. July 1964 and postmarked in Liverpool. The journey to Liverpool was a long one, first by night train to Calais (F), there by ferry to England and further to London again by train. After a short stay the railway took my parents to Liverpool where the S.S. Remuera was ready to board.

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1. July 1964, London- Liverpool

Dear mother,

we hope it wasn't too hard on you to say goodbye. I am sure we will be reunited. Have you arrived well home? I am sorry this Hermes Baby writes criss-crosss something seems wrong with it, the paragraphs are not constant, either.

In the train to Calais we had interesting people in our compartment. It was entertaining, and the two, a Brit and a Autralian, had a lot tell.

 

We didn't sleep well in the train, it was cold in the compartment. In Lille (France) they woke us so we had plenty of time for breakfast till we arrived in Calais. Changing to the ferry went well. And the sea was calm so we did't get seasick, we were worrying about how travelling on the sea would affect us.

 

Now we sit in the railway to Liverpool. We will probably arrive soon and I will post this letter there. The next letter will only be sent from Curaçao, it's journey will definitively longer to get home.

Affectionate regards


Briefmakren England stamps England

4. Juli 1964, Liverpool - Azoren

Liebe Mutter,

Wir sind jetzt schon den 4. Tag auf dem Schiff und haben uns ganz gut eingelebt.

In London hatten wir es sehr gut. Es ist eine sehr schöne Stadt. Das Hotel war sauber, das Personal höflich und freundlich, und geschlafen haben wir wunderbar.

Das Schiff, auf dem wir nun nach Auckland, Neuseeland, fahren, heisst Remuera, was so ausgesprochen wie geschrieben wird. Es ist ein Wort aus der Maori-Sprache. In Auckland gibt es einen Stadtteil, der Remuera heisst.

Zuerst war es sehr verwirrend auf dem Schiff, aber alle waren sehr nett und hilfsbereit, kaum waren wir an Bord gekommen, nahm uns der Stewart das Gepäck ab und begleitete uns in die Kabine. Theo wohnt auf dem B-Deck, und ich auf dem A-Deck. Wir haben sehr schöne Kabinen, in meiner Kabine sind wir 6 Mädchen. Wir haben schon viel Bekanntschaft gemacht. Nun muss ich die Post abgeben, wenn sie während dem Extra-Halt auf den Azoren, Inseln ziemlich weit draussen auf dem Meer vor Spanien, auf das Flugzeug soll, der nächste Brief wird dann wie versprochen aus Curaçao, einer Insel vor Mittelamerika, sein.

Es geht uns zwei sehr gut, wir sind bis jetzt kein bisschen seekrank geworden, und ich glaube, wenn nicht ein allzu grosser Sturm aufkommt, dann werden wir es auch nicht werden.

Schreibt bald, wie es Euch geht, es interessiert uns, und wir würden uns freuen, wenn wir bald einen Brief von Daheim erhalten.

Herzliche Grüsse

4. July 1964, Liverpool - Azores

Dear mother,

we are now the 4th day on the ship and we settled in well.

London was great. It is such a beautiful city. The hotel, too, was clean and the staff were polite and friendly. And we slept very well.

 

Our ships's name is Remuera, it takes us from Liverpool to Auckland, New Zealand. Remuera is a Maori-word and is, in German, pronounced like it is written. In Auckland there's a city-district what is called Remuera, too.

 

First we were a bit lost on the boat, it was confusing with all the decks and narrow corridors and stairs. But all of the staff were very helpful and as soon as we were on board the steward took our luggage and accompanied us to our rooms. Theo sleeps on deck B and I am on deck A. We have nice rooms, in my room we are six girls. We already met a lot of nice people. Now I have to hand over the letter because there is and additional stop on the Azores, island that belong to Portugal and are far offshore from the coast in the Atlantic. The mail therefore leaves from here. The next stop is in Curaçao then as I told you before. It is an island near Central America.

We both are fine, never got seasick yet, and I think if there won't be a storm we will stay that way.

Please write soon, we wonder how your are and we are looking forward to getting a letter from home soon.

Affectionate regards


Briefmarken Portugal Azoren stamps Portugal Azores

8. Juli 1964, Azoren - Curaçao

Dieser Brief wird aus Curaçao abgeschickt werden. Wir würden gerne wissen, wieviele Tage die Briefe brauchen, bis ihr sie erhaltet.

Ist bei Euch etwas Wichtiges geschehen, seit wir abgereist sind?

Wir kennen jetzt schon eine Menge Leute. Alle geben sich grosse Mühe, langsam mit uns auf Englisch zu sprechen. In der gleichen Kabine wie ich ist eine 26-jährige Fotographin, untergebracht. Ihre Spezialität sind Hochzeitsreportagen, vielleicht können wir sie dann für unsere Hochzeit engagieren?

Die Jüngste in unserer Kabine ist erst 18 Jahre alt, ich glaube, ihre Eltern sind gestorben, und ihre Schwester ist diesen Frühling nach Neuseeland ausgewandert. Es gefällt ihr dort so gut, dass sie ihre kleine Schwester nachkommen lässt.

Jetzt, da bei Euch Sommerferien sind, sind meine beiden Brüder bestimmt schon ganz braungebrannt von der Sonne und gehen jeden Tag baden im Weiher. Wie geht es den beiden?

Es wurde uns jetzt schon zweimal auf dem Schiff ein Film gezeigt, einen von Walt Disney über wilde Tiere mit wunderschönen Aufnahmen aus dem Leben von allerlei Wildkatzen, und gestern abend gab 's einen spannenden Film über einen Versicherungsbetrug. Am Samstagabend wurde bis Mitternacht Tanzmusik gespielt. Ausserdem gibt es zur Unterhaltung die verschiedensten Decksportarten: Tischtennis, Decktennis, Deckgolf.

Gleich am ersten Tag mussten wir um Mitternacht unsere Uhren um eine Stunde zurückstellen und seither jeden Tag eine halbe Stunde wegen den Zeitzonen, so können wir also jeden Morgen eine halbe Stunde länger schlafen.

Das English, das die Leute sprechen, klingt so anders als jenes,  das ich in der Schule gelernt habe. Und in Neuseeland soll es nochmals völlig anders klingen, als wir es gewohnt sind, aber wir werden uns schon damit anfreunden.

Der Kapitän hat gesagt, Theo hätte gute Aussichten auf eine Stelle in seinem Beruf, wenn wir erst in Neuseeland sind, besonders auf der Südinsel, hingegen hat ein Franzose aus Christchurch gesagt, in Neuseeland gäbe es keine Arbeit für ihn, weil dort niemand eine Zentralheizung habe. Wir müssen also selber herausfinden, was nun stimmt.

Es soll allerdings nicht schwierig sein, ein Haus zu mieten, es ist bestimmt billiger als zu Hause. Auch ein Haus zu bauen, soll einiges günstiger sein.

8. July 1964, Azores - Curaçao

This letter will be posted in Curaçao. We would like to know how many days it takes till you receive our letters.

 

Was there an important happening at home since we left?

 

We know already a lot of people here on board. All of them try very hard to speak slowly with us in English. In my cabin there is a 26 year old photographer who is specialized on wedding photography. Maybe we can hire her for our own wedding?

 

The youngest in our cabin is only 18 years old. I believe her parents died and since her older sister emigrated to New Zealand last spring and really loves it there she arranged her little sister to join her in her new home country.

 

Now there are summer holidays in Switzerland and my two bothers sure must be tanned by now. Aren't they spending all their days on the mere in the sun? How are they?

Up till now we watched already two movies on the ship in it's filmtheater. One was from Walt Disney about wild animals with beautiful pictures about the life of wild cats. And last night there was an exciting movie about an assurance fraud. Saturday night they played dance music till midnight. And there are a lot of games for distraction: table tennis, deck tennis, deck golf.

 

During our first night we had to set back our watches for an hour and since then we can sleep in everyday for half an hour because of the crossing of the time zones.

The English language that is sproken by the people on board sounds so much different to the one I learned in school. And the New Zealanders shall speak an even more differnt English. But we will get accustomed to it.

The Captain told us Theo will have great opportunities in his profession in New Zealand, specially on the south island of the country. But a Frenchman said that there won't be any work for him as in New Zealand as noone has central heating. Now we have to found out ourselves what is true.

But it definitively shouldn't be hard to rent a house, most certainly cheaper than at home. Even building a house must be a lot less expensive than in Switzerland.


Hermes Baby

Es kommt uns vor, als wären wir schon eine lange Zeit auf dem Schiff. Man sieht ringsum nur Wasser, aber es ist wie in einem Hotel oder fast ein bisschen wie zu Hause. Aufregend ist es nicht, eher beruhigend. Weisst Du, man kann sich einfach nicht vorstellen, dass vor- und rückwärts 3-4 Tage lang nur Wasser ist, weil der Horizont immer gleich aussieht und es auch gar nicht weit zum Horizont zu sein scheint. Am Anfang unserer Reise war das Wetter eher kalt, jetzt haben wir aber jeden Tag Sonne, das Meer ist blau, aber nicht ruhig, unser Schiff schaukelt ziemlich, aber es macht uns nichts aus.

Wir spüren eigentlich gar nicht, dass wir unterwegs sind, weil sich die Landschaft nicht ändert, wie wenn man in einem Zug sitzt oder von einem Flugzeug aus nach unten schaut. Mit dem Flugzeug hätte man bis Neuseeland 36 Stunden Flugzeit gehabt. Ich glaube, Neuseeland ist Europa mit der Zeit 11 Stunden voraus.

Theo ist schon ganz braun, aber ich getraue mich kaum aus der Kabine, weil ich sonst gleich einen Sonnenbrand kriege, zwei aus meiner Kabine hatten nach nur 45 Minuten Sonne einen schlimmen Sonnenbrand. Du kannst Dir wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie stark die Sonne hier scheint, sie sticht richtig, und man spürt ihre Strahlen, wenn sie senkrecht steht.

It feels like we are ion the boat since ages ago. All around us there's only water, still it feels a bit like in a hotel or even at home. It is not exciting, rather calming. You know we can't get our heads around it that there's a 3-4 days-trip with nothing but the sea behind us because the horzion looks always the same. And it seems it is not far to the horizon, either. At the beginning of our journey the weather was rather cold, but now on each day it is sunny and the sea is blue, but not calm, the boat is rocking quite a bit but it doesn't affect us.

 

It doesn't feel like we are underway because the landscape is not changing like when travelling in the train or when one is looking down sitting in a plane. Our trip would take 36 hours by plane. I think New Zealand is 11 hours ahead of Europe.

 

Theo has a nice tan by now but I don't dare to leave the cabin as I get sunburnt so easily. Two girls of my room caught a severe sunburn after only 45 min out in the sun. You probably can't imagine how strong the sun shines here, it feels like stinging and you can really feel the sunrays at noon.


auf dem Schiff on the ship Ozean ocean

9. Juli 1964

Wir sind jetzt kurz vor den Inseln der Karibischen See. Am Samstag werden wir in Curaçao ankommen und am Sonntag um die Mittagszeit wieder ablegen. Die See ist jetzt noch mehr bewegt als vorher. Heute morgen streikte die Süsswasserversorgung, und wir hatten fünf Stunden lang kein Wasser zum Waschen oder Trinken. Wir legen etwa 390-395 Seemeilen pro Tag zurück. Es gibt an Deck Liegestühle zur freien Benützung, ich wähle immer einen auf dem obersten Deck, weil das ein Dach hat, so bekomme ich keinen Sonnenbrand.

Heute morgen haben wir fliegende Fische beobachten können, es sieht lustig aus, sie fliegen etwa so wie Libellen, es ist, wie wenn kleine Propeller über das Wasser schwirren. Eine Farbe konnte ich von oben nicht erkennen, sie glänzten silbrig im Sonnenlicht. Delphine haben wir noch keine gesehen, vielleicht werden wir welche im Stillen Ozean beobachten können.

Sie haben uns gesagt, dass die Temperaturen in Auckland im Winter so um 14 °C, über Null Grad, versteht sich!, liegen im Moment, also zur kältesten Zeit, denn dort ist jetzt Winter.

Bitte entschuldige, dass die Briefbögen immer so zerknittert aussehen, der Wind bläst eben sehr stark und zerzaust mir meine schönen Blätter in der Schreibmaschine.

10. Juli 1964

Heute sind wir morgens an Guadeloupe und an Dominica vorbeigefahren, Dörfer und Städte haben wir erst keine gesehen, die Inseln sahen ganz bewaldet aus. Dominica ist ziemlich gross mit hohen Bergen. Im Landesinneren regnete es stark. Wir sahen dann aber viele Häuser und Hütten und eine kleine Stadt in einer Bucht. Zum ersten Mal haben wir Palmen gesehen und von weitem auch einige Menschen.

Heute nachmittag sahen wir uns das Kinderfilmprogramm an, weil ein kurzer Filmbericht über Neuseeland angekündigt war. Es gab sehr schöne Aufnahmen über eine kurze Reise von Wellington nach Auckland. Das erste, was man über Neuseeland stets hört, ist: Neuseeland ist ein sehr schönes Land, und die Leute sind so freundlich.

Morgen nachmittag legen wir auf Curaçao an. Dort können wir den Brief für Euch aufgeben.

Herzliche Grüsse

9. July 1964

We are now near the islands of the Carribean Sea. Saturday we will arrive in Curaçao and Sunday about lunchtime we will sail off again. The sea is now even more rough than before. This morning the water system was on broken and we didn't have water for washing or drinking for five hours. Each day we cover the distance of about 390-395 sea miles. There are deckchairs for everyone's free use. I always chose one on the upper deck because it has a roof so I don't get sunburnt.

This morning we were able to observe flying fishes. It looks funny, they fly like dragonflies and it looks like little propellers flying above the water. I couldn't recognze a colour because the fish sparkled silvery in the sunlight. We didn't see dolphins yet, maybe we will be able to observe some in the the Pacific.

 

People told us that the temperatures are around 14°C, above zero, of course, in Auckland in winter, and now it is winter there.

Please excuse that the paper sheets are so crinkled, the strong wind always get them disheveled while they are inserted in the typewriter.

 

10. July 1964

This morning we passed Guadeloupe and Dominica. First we couldn't recognize any villages or towns, the islands looked densly wooded. Dominica is quite big with high mountains. It was heavily rainy inland. Later we saw many houses and huts and a small town in a bay. For the first time we have seen palm trees and far away also some people.

In the afternoon we watched the children's programme because a short documentary about New Zealand was sheduled. We enjoyed wonderful shots of a short voyage from Wellington to Auckland. The first thing you always hear about New Zealand is that it is such a beautiful country and that the people are very kind.

 

Tormorrow in the afternoon we will arrrive in Curaçao. There we will post our letters to you.

Affectionate regards


Briefmarken Niederländische Antillen ABC Inseln Curaçao stamps Antilles Netherland ABC islands

13. Juli 1964, Curaçao - Panama-Kanal

Liebe Mutter,

es ist eine unvorstellbare Hitze hier. Morgen gegen Abend werden wir den Panama-Kanal erreichen.

Nun will ich Dir von Curaçao erzählen: die Insel ist ziemlich gross, 9 km lang und 3.5 km breit. Die meisten Einwohner sind farbig. Curaçao gehört zu den Kleinen Antillen, und steht mit Aruba und Bonaire unter Holländischer Flagge. Curaçao ist auch ein kleines Städtchen, sehr sauber, die Innenstadt im Holländischen Kolonialstil gebaut, die Giebel und Fensterrahmen weiss gestrichen, während die Häuser in vielen Pastellfarben, jedoch vorwiegend gelblich, strahlen.

Am Abend gingen wir zu Fuss in das Städtchen. Zuerst haben wir den Markt besucht, es gibt Orangen, aus denen der Curaçao-Liqueur hergestellt wird, Bananen, sie waren rund 20 cm lang mit handtellergrossem Durchmesser und wogen vermutlich ein ganzes Pfund - wir haben aber keine gekauft, es wurde uns gesagt, sie wären nicht so gut, eher mehlig, und da wir sowieso immer Durst haben... (es waren übrigens Kochbananen, damals in Europa völlig unbekannt), Zitronen, ganz kleine, nur so gross wie Tischtennisbälle, Ananas, davon haben wir eine gekauft, Avocados, eine tropische Frucht, man kann sie süss oder salzig essen, sie hat nur wenig Eigengeschmack (damals unbekannt in Europa), Mangos, eine Frucht, die man beim Kolonialwarenhändler zu Hause für einen halben Tageslohn kaufen kann, aber die soll sehr fein sein, süss und saftig, viele Leute haben sie gern, längliche kleine Italienische Tomaten, verschiedene Melonen, süsse Kartoffeln, diese Kartoffelart kommt nur in den Tropen vor (eigentlich eine Windenart, damals unbekannt in Europa), Tapioka-Wurzeln, das ist etwas Ähnliches wie Sago, und noch viele andere Früchte. Die Menschen hier sind sehr freundlich, aber es ist alles auch sehr teuer.

13. July 1964, Curaçao - Panama Canal

Dear mother,

it is unbelievable hot here. Tomorrow in the evening we will reach the Panama Canal.

 

Now I would like to tell you about Curaçao: the island is rather large, 9 km long and 3.5 km wide. Most of the inhabitants are coloured. Curaçao belongs to the Lesser Antilles and together with Aruba and Bonaire they belong to the Netherlands. Curaçao is also a small town, very tidy, downtown is built in the colonial style, gables and window frames are white while the houses are painted in pastel colours, but most of them shine yellowish.

 

In the evening we walked into the town. First we visted the vegetable marked. There is lots to buy: oranges, used for the Curaçao-liquor, banana that were about 20 cm long and thick like my palm and probably they each weighted a pound - we didn't buy any as we were told they are not sweet but rather mealy and because we are thirsty all the time anyway... (they were plantains, not known in Europe then), lemons, very small ones like golf balls, pineapples of which we bought one, Avocados, a tropical fruit that you can eat sweet or salty, it has only a very little taste (unknown in Europe at that time), mangoes, a fruit you can buy colonial ware shop at home for the price of half a day's wage, but it is sweet and juicy and beautiful and many people like it, also Italian tomatoes, various melons and sweet potatoes that only grow in the tropics (actually a convolculus variety, unknown in europe by then), Tapioka-roots, they are similar to Sago, and a lot more fruits and vegetables. The people here are very kind and friendly, but everything is quite expensive.


alte Briefe Luftpost old letters airmail

Gestern vormittag haben wir an einer Tour durch die Insel teilgenommen. Wir hatten einen modernen, gekühlten Car. Erst fuhren wir durch die Wohnviertel mit vielen Bungalows mit schönen Gärten, alles blühende Sträucher, in allen Farben, die man sich vorstellen kann, so schön, eine unvorstellbare orangefarbene Blüte, der ganze Strauch übersät davon, und rot in allen Tönen, und weiss und gelb, und so viele Blüten an einem Strauch. Es gibt auch sehr viele Schulen und Gymnasien, sogar eine Technische Hochschule. Ausserdem ein modernes Spital, das von den Holländern geführt wird. Bekannt wurde die Insel aber durch die Oelraffinerien, das Oel stammt aus Venezuela, und wenn kein Wind geht, dann liegt der Oelgeruch wie Blei in der Luft, und man kann kaum atmen. Glücklicherweise geht fast immer ein kühlender Wind, nur während der Regenzeit nicht. Die Insel hat nur kleine Bodenerhebungen, die meist kahl sind, und die Vegetation ist nicht so üppig wie die von Guadeloupe und Dominica. Kühe haben wir keine gesehen, nur Ziegen. Die Holländer haben dafür gesorgt, dass man auf der Insel alles kaufen kann, aber es ist eben sehr teuer. Die Holländer hier arbeiten fast alle für die Oelraffinierien und verdienen viel, aber auch die Farbigen sind gut gekleidet und müssen nicht hungern.

Mein Gott, jetzt fällt mir gerade ein, dass ich ja von Dir einen Brief bekommen habe in Curaçao! Du glaubst gar nicht, welche Freude ich hatte.

Wir haben eben im Radio gehört, dass das Neuseeländische Parlament 7.4 Millionen Pfund für einen Kredit bewilligt hat, mit dem 2 Technische Hochschulen und 3 Polytechnika in Auckland, Wellington, Hamilton, Christchurch und Dunedin gebaut werden können.

Seit gestern ist die See viel ruhiger. Wir schlafen aber interessanterweise besser, wenn es sehr schaukelt.

Es scheint, als gäbe es im Karibischen Meer sehr viele fliegende Fische, heute morgen sahen wir eine Unmenge. Schon vor 2 Tagen wurde auf dem vorderen Deck, etwa 6 m über der Wasseroberfläche, ein toter fliegender Fisch gefunden. Er war ziemlich gross, etwa 20 cm lang, und die zu Flügel ausgebildeten Flossen waren je 6-7 cm lang, es sind die sonst ganz kleinen Seitenflossen, die das Fliegen ermöglichen.

Wir spielen öfters Karten oder mit Würfeln oder üben uns in den Decksportarten. Es ist schon spät, aber ich bin noch auf, weil der Kapitän über Panama erzählen wird, es ist eine Rede angekündigt worden. Der Kapitän ist sehr freundlich und so um die 50 Jahre alt.

Yesterday we did the tour through the island. We were lucky we travelled in a coach with air-conditioning. The tour began with a ride through the residential area of the town. Lots of bungalows with beautifully established gardens, there are flowering shrubs in every colour you can imagine, so beautiful, orange blossoms all over the the shrub, and red in all tones and white and yellow, so many blossoms on just one shrub. They have many schools here and colleges and even a polytechnic university. Besides there is also a modern hospital managed by the Dutch.

 

But it is the oil refineries that the island is known for, the oil comes form Venzuela, and when there's no wind there's this smelliness that lingers in the air and you can hardly beathe. But luckily there's almost all the time a cooling wind blowing, exept during the rain season. The island has only small hills that are mostly bare, and the vegetation is not as luxuriant as Guadeloup's or Dominica's. We didn't see any cows but there are goats. It is on the Dutch that you can buy everything here but it is also very expensive. Most Dutch work in the oil refineries and earn a lot, but also the coloured people are dressed nicely and earn well and don't have to starve.

Oh, it just comes to my mind that I received a letter from you in Curaçao! You can't imagine my delight.

 

We just heared in the radio that the parliament in New Zealand granted a loan of 7.4 million pounds to build 2 polytechnic universities and 3 technical schools in Auckland, Wellington, Hamilton, Christchurch and Dunedin

 

Since yesterday the sea is much more calm. But interestingly we sleep better when it sways more.

It seems that the Carribean Sea has lots of flying fish, this morning we saw heaps. And two days ago there had be found a dead fish on the front deck, about 6 m above the surface of the water. It was quite big, about 20 cm long and the fins are transformed into wings and about 6-7 cm long, it is the small fins on the side that enable the flying.

 

We often play cards or dice or we try the deck sports. It is late now but I am still up because the Captain will tell us about Panama, a speech has been announced. The Captain is a very kind person, he is about 50 years old.


auf dem Ozean Dampfer Frachter on the ocean fright ship

14. Juli 1964, im Panama-Kanal

Seit heute früh um 6 Uhr sind wir im Panama-Kanal. Als ich am Morgen kurz nach sechs erwachte, bin ich gleich an Deck gegangen. Wir fuhren gerade am Cristobal Hafen vorbei.

Es ist wunderbar, hier zu fahren, auf beiden Seiten ist dichter Urwald, schön grün und üppig. Nach dem See, der nach dem Kanaleingang kam, passierten wir 3 Schleusen, jede 9 m hoch, wir haben also bereits 27 m Höhe gewonnen. Dann sind wir in den Gatun-See kommen, er ist über 45 km lang und sehr verzweigt, mit kleineren und grösseren Inselchen drin. Es sieht aus wie ein kleines Märchenland, weisst Du, solche Landschaften habe ich immer in Kulturfilmen bestaunt und mir stets gewünscht, sie sehen zu können. Eigentlich ist es seltsam, mit einer Schreibmaschine zu schreiben und auf einem modernen Schiff zu fahren inmitten dieser Wildnis. Sie scheint so unberührt, und doch ist diese Wasserstrasse, die wir jetzt befahren, eines der grossartigsten technischen Wunders auf der Welt, aber auf dem Gatun-See scheint man an einem stillen, weltabgelegenen Ort zu sein, alles ist so ruhig, kein Auto, kein Flugzeug, keine Maschinen. Nur eine schöne Landschaft und ein kühles Lüftchen, das die Fahrt momentan so angenehm macht.

Wir fahren etwa 8 Stunden durch diesen Kanal, der höchste Ort wird die Fahrt durch den "Stich" sein, die Stelle, an der Berge abgetragen werden mussten, um den Kanal hindurchzuführen, danach werden wir auf der Pazifik-Seite sein.

14. July 1964, in the Panama Canal

Since this very morning at 6 o'clock we are in the Panama Canal. When I woke up just after 6 I hurried to the upper deck at once. At this time we passed Cristobal port.

 

It is wonderful to move here, on both sides there is dense bush, very green and lush. That is just after the lake that appeared right after the entrance of the canal, then we passed 3 locking, each 9 m high, therefore we gained already 27 m in hight. Afterwards we arrived in the lake of Gatun that is over 45 m long and very branched and many tiny and small islands in it. It really looks like a fairyland, you know such sceneries I always admired in documentary films and everytime I wished I was able to see it in reality. Actually it is very strange to write on a typewriter and move in a modern ship in midst of such aunspoilt wilderness. It looks so intact and untouched and still this waterways that we pass trough is one of the greatest technical wonders of the world, but on the lake of Gatun it seems that we are on a remote and silent place, everything is so quiet, no cars, no plane, no machines. Only a serence landscape and a cooling breeze that makes this day so pleasant.

 

We will have passed this canal in 8 hours altogether. The highest peak will be the "cut", a place where mountains had to be removed to built the canal. And then we will be on the Pacific site of the Panama Canal.


Gatun See lake Gatun Schiff boat

Wir werden in der Stadt Balboa, kurz vor dem Ende des Kanals anlegen und morgen früh dort bummeln gehen. Die Stadt ist berühmt fürs Einkaufen. Heute wird das Mittagessen auf Deck serviert, damit wir die gesamte Durchfahrt richtig geniessen können, denn meistens muss man im spannendsten Augenblick zum Essen gehen, und der Speisesaal ist im B-Deck, und von dort sieht man nichts.

Für die Gatun-Schleuse kamen ein Kanal-Pilot und Kanal-Offiziere an Bord, welche das Schiff steuerten und alle Manöver verrichteten, zusammen mit dem Bodenpersonal in den Schleusen. Die für grosse Schiffe befahrbare Wasserstrasse ist ein paar Hundert Meter breit, wir haben heute morgen einen Japanischen Frachter gekreuzt. Nach den Gatun-Schleusen sind die Kanal-Offiziere wieder über eine Strickleiter von Bord gegangen.

Morgen früh müssen wir die Briefe abgeben, die von Panama weggehen sollen.

Wir legten heute nachmittag gegen fünf Uhr in Balboa an und konnten das Schiff verlassen. Zusammen mit zwei anderen nahmen wir ein Taxi und fuhren in die Stadt. Es gibt wunderschöne Dinge zu kaufen, auch Schmuck, aber er ist teuer und man muss feilschen, um einen bezahlbaren Preis auszuhandeln. Wir würden auch gerne einen Transistor-Radio kaufen, morgen werden wir versuchen, den Preis herunterzuhandeln.

Ansonsten geht es uns prima, wir geniessen die Reise. Wir hoffen, Euch geht es auch gut und Ihr seid immer alle gesund. Vielen Dank auch für die Fotos, Grüsse auch an meine Brüder, ich denke viel an sie.

Allerherzlichst

We will land in the city Balboa - just a bit short of the Canal - and tomorrow morning go there for a stroll. This city is famous for shopping. Today the lunch will be served on deck so we won't miss the passage and can really enjoy it. Usually we are called for lunch when it just gets exciting, the dining room is on B-deck and there are no windows.

 

For the Gatun-docking a canal-pilot and his officers came on board so they could stir the beat and perform the manoeuvres, in combination with the ground staff in the docking. This waterways is built for large boats and therefore a few hundred metres wide, this morning we crossed a Japanese frighter. After the Gatun-docking the canal-officers left our ship by a rope ladder.

 

Tomorrow morning we have to pass on the letters that will be posted from Panama.

We arrived in Balbao this afternoon around 5 p.m. and could leave the boat. Together with two others we took a taxi and drove into the city. There are so beautiful things to buy, like jewellery but it is expensive. You have to haggle to get a fair price. We would love to buy a transistor-radio. Tomorrow we will come back and try to haggle down the price.

 

Otherwise we both are well and we enjoy the journey. We hope you, too, are good and you all are healthy. Thank you very much for the photos that were in the letter you sent. Regards also to my brothers, I think a lot about them.

Affectionate regards


Briefmarke Panama stamps Panama

20. Juli 1964, zwischen Panama und Tahiti

Liebe Mutter,

ich erzähle Dir noch ein wenig mehr vom Panama-Kanal. Die gesamte Durchfahrt dauert mindestens 8 Stunden. Die ersten 7 Meilen bis zu den Gatun-Schleusen wurden durch sumpfiges Land gegraben, links ist die Stadt Cristobal und der Hafen der Stadt. Es ist der grösste Hafen von Panama. Unweit dahinter liegt Colon. Diese beiden Städte wurden nach dem eigentlichen Namen von Christoph Columbus benannt. Im Hafen von Cristobal können gleichzeitig 14 grosse Ozeandampfer ent- und beladen werden. Christoph Columbus ankerte hier um 1496 auf seiner grössten und letzten Weltumsegelung. Christoph Colon ist Spanisch, er selbst war Portugiese. Colon ist nach Panama-City die grösste Stadt am Kanal. Der Kanal selbst gehört den Amerikanern und ist somit ein Staat im Staat. Die Amerikaner haben eigene Schulen, Krankenhäuser und vieles mehr. Colon ist nach dem Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie in der Neuen Welt entstanden, anno 1850.

Die Gatun-Schleusen bestehen aus 3 Kammern, und die Remuera wurde über 25 m angehoben, bevor sie in den Gatun-See entlassen wurde. In den Schleusen verknüpften zwei Dockarbeiter unsere Taue mit denen an Land. Sie wurden an eine kleine, aber sehr starke Lokomotive gehängt. Es wurde in die erste Kammer gefahren, und nachdem der Wasserspiegel angestiegen war, wurden die vorderen Tore, die über zwei Meter dick sind, geöffnet. Dasselbe geschah noch zweimal. Jede Schleusenkammer ist 33 m breit und 300 m lang. Sie können mit dieser Grösse alle Schiffsgrössen aufnehmen. Die Schleusen, die einem wieder auf Meereshöhe zurückbringen auf der anderen Seite des Gaillard-Durchstiches, nach seinem Erbauer benannt, sind die Pedro-Miguel-Schleuse und die Miraflores-Schleusen.

20. July 1964, between Panama and Tahiti

Dear mother

I will tell you a bit more about the Panama Canal. It took 8 hours get passed the whole canal. The first 7 miles to the Gatun-docking had been dug through swampy land, on the left you see the city Cristobal and it's port. It is the largest port in Panama. Not far behind it is Colon. These two cities are named after the acutal name of Christopher Columbus. In the port of Cristobal there is room for 14 huge steam driven ocean liners to get charged and discharged. Christopher Columbus anchored here in 1496 during his longest and last journey. Christopher Colon is Spansih, but he was Portugese. Colon is the second largest city after Panama-City. The canal itself belongs to the Americans and therefore is a state in a state. The Americans have their own schools, hospitals and much more. Colon was built after the contruction of the first transcontinental railway of the New World, that was in 1850.

 

The Gatun-docking consists of 3 chambers, and the Remuera was lift up over 25 m before she could move on into the lake of Gatun. In the docking two deck-workers tied our ropes with the ones on land. They were attached to a small but powerful engine. So we got pulled through the first chamber, and after the waterlevel was even again the gates that are more than 2 metres thick opened. This process happend another two times. Each docking is 33 m wide and 300 m long. That way they are able to put through all sort of boats, also the huge ones. The docking for the downward process on the other side of the Gaillard-Cut, named after its constructor are called Pedro-Miguel-docking and Miraflores-docking.


Panama Kanal Panama canal

An den Gatun-Schleusen liegt die Stadt Gatun, wo die Arbeiter der Schleusen wohnen. Der Gatun-Damm war, als er gebaut wurde, der grösste der Welt, und die Ingenieure bezweifelten seine Beständigkeit. Er ist eine der Schlüsselpositionen des Kanals. Er staut den Charges-River. Der Damm wurde in ein tiefes Tal gebaut und ist so hoch wie die Hügelzüge zu beiden Seiten. Für ihn wurden 23 Millionen Tonnen Erde und Felsen verwendet. Die Konstruktion glückte so vollständig, dass der Damm sich sehr schön in die Gegend einpasst und man ihn kaum als künstlichen Gegenstand wahrnimmt. Er ist oben etwa eine und eine halbe Meile breit. Der Abflusskanal ist ein technisches Wunder: er ist 330 m lang und 195 m breit. Um den Ausgleich des Wasserstands zu garantieren, wurden 14 Abflusstore gebaut, wenn alle gleichzeitig geöffnet würden, könnte in einer Sekunde 150'000 Kubikfuss, das heisst, 6 Millionen Liter Wasser aus dem See fliessen, normalerweise genügt es, 8 Tore gleichzeitig geöffnet zu haben. Der Gatun-See, ein künstlicher See, war zur Zeit seiner Entstehung der grösste künstliche See der Welt. Für eine einzige Durchfahrt braucht es 52 Millionen Gallonen Wasser, also über 200 Millionen Liter. Der Charges-River, der als Zufluss für den Gatun-See fungiert, wurde weiter oben noch einmal gestaut, um auch in der Trockenzeit genügend Wasser zur Verfügung zu haben, ein sogenannter Reserve-See.

Der Unterschied der Grösse der Schleusentore auf der atlantischen und pazifischen Seite des Kanals, Pazifik: 730 Tonnen bei 24.6 m Höhe; Atlantik: 390 Tonnen und 14.1 m Höhe, erklärt sich aus den Gezeiten, die im Pazifik 6.6 m beträgt, im Atlantik hingegen nur 60 cm.

Beside the Gatun-docking is the town Gatun where the workers of the docking live. The Gatun-dam was when he first was built the largest on the world, and the engineers doubted its stability and durability. It is one of the key positions of the canal. The dam holds back the Charges river. It was built into a deep valley and is as high as the hill range on it's sides. 23 million tonnes of soil and rock had to be moved to build it. The construction succeded so well that the dam fits wonderfully into the great scenery and doesn't look like an alien thing at all. On the top it is about one and a half a mile wide. The outlet is a technical miracle: it is 330 m long and 195 m wide. And for the adjustment of the water 14 outlets gates were built, so if all were open at the same time it was possible to let flow out 150'000 cubic foot water per second - about 6 million litres water. Usually it suffice when 8 gates are open. The lake of Gatun is an artificial lake and was when it was finished the largest artificial lake of the world. For one transit one needs 52 gallons of water - more than 200 million litres. The Charges river that is the feeder river of the lake of Gatun has another dam further up the valley. Just in case during the drought there will be not enough water in the river itself, it is a reserve lake.

 

The difference of the docking gates is a result of the different tides of the Atlantic and the Pacific: 730 tonnes and 246 m height on the Pacific side, and 390 tonnes and 14.1 m height on the Atlantic side. The tides in the Pacific are 6.6 m but only 60 cm in the Atlantic.


Panama City Balbao

Hier in Balboa wollen wir einen Transistor-Radio kaufen, sie haben hier gute Japanische Radios. Wir haben uns entschlossen, einen Transistor mit 4-Band zu nehmen, denn wir möchten versuchen, in Neuseeland die über Asien ausgestrahlten Europäischen Wellen zu empfangen, über Kurzwelle.

Wir haben uns auch Panama-City angesehen, die Innenstadt ist uralt und etwas heruntergekommen, doch sie muss einmal sehr schön gewesen sein. Es gibt viele prunkvolle Kirchen und Kathedralen, allerdings sind die meisten nur noch bessere Ruinen. Früher muss es eine blühende Handelsstadt gewesen sein. Im neuen Teil der Stadt gibt es ein Hilton-Hotel. Wir konnten von der Dachterrasse aus Fotos von der Stadt machen.

In den Läden gibt es viele hübsche Handwerskunst. Ausserdem gibt es eine grosse Anzahl Chinesische Läden. Wir haben auch den Regierungspalast des Präsidenten der Republik Panama gesehen. Das schöne Gebäude ist streng bewacht, an allen Ecken stehen Soldaten und Polizisten mit schweren Waffen. Als Touristen durften wir es betreten. In der Mitte des Palastes gibt es einen Springbrunnen mit lebendigen, weissen Reihern, und auf den Balkonen standen überall schöne Pflanzen.

Als das Schiff später auslief, sahen wir ausserhalb des Hafens ein Schiff, das auf Grund gelaufen war, es musste warten, bis die Flut zurückkam und es anhob. Wäre es festgefahren, hätte es ausgebaggert werden müssen.

Here in Balbao we will buy a transistor radio, they sell good Japanese ones. We decided to have a 4-Band radio because we would like to try to receive the European waves that are sent via Asia, they are short-waves.

We also visited Panama-City. Downtown of this city it looks quite aged and run-down but once it must have been beautiful. There are pompous churches and cathedrals, but nowadays only merely ruins. In the earlier days it must have been a prospering trading-city. In the newer part of the city there is a Hilton-Hotel. We were allowed to take photos from the terrace on the roof.

 

In the shops there are many lovely handcrafted things to buy and there are also lots of Chinese stores. We also could visit the palace of the president of the Republic of Panama. The building is stricly guarded, on each corner there are soldiers and policemen with heavy weapons. But as a tourist we were allowed to enter. In the middle of the palace is a water-fountain and some white herons that are alive. On each of the balconies you see a lot of beautiful plants.

 

When we departed later by boat we saw a ship that was stranded just out of the port. It had to wait for the high tide so it got lifted otherwise it would have been dug out.


Tahiti Tanz dance

Am letzten Freitag kamen wir an den Galapagos Inseln vorüber. Sie liegen 500 Meilen von der Küste Ecuadors entfernt, zu dem sie auch gehören. Sie sind vulkanischen Ursprungs. 1535 wurden sie vom Spanischen Bischof Thomas de Berlang entdeckt. Jahrhundertelang waren sie ein bevorzugter Tummelplatz der Piraten und Walfänger. Diese waren vom Reichtum der Riesenschildkröten angelockt worden, welche ihnen als Proviant dienten.

 

Die Inselgruppe besteht aus 6 grösseren und 9 kleineren Inseln und vielen winzigen Inselchen. Die grösste Insel, an der wir am späten Nachmittag vorbeifuhren, ist die Isabella-Insel, sie ist fast 1800 m hoch. Abgesehen von einigen Granitblöcken, besteht diese Insel nur aus erkalteter Lava und Sandstein. Die höheren Inseln haben alle in der Mitte einen Krater mit diversen Nebenkratern. Ein Forscher namens Darwin entdeckte mehr als 2000 Krater auf diesen Inseln, aber 1938 waren nur noch zwei davon aktiv. Die Inseln sehen öde und grau aus, doch an einigen Stellen wächst ein undurchdringliches Dickicht, vor allem am Ufer. Es gibt auch Orchideen auf den Inseln. Teilweise wachsen kümmerliche Sträucher und ein Peruanischer Riesenkaktus, vor allem an steinigen Stellen. Doch soll auch Zuckerrohr, Baumwolle, Gemüse und alle Arten von Früchten angebaut werden. In den letzten Jahren wurden Hunde, Katzen, Schweine und Ziegen auf das Eiland gebracht, sowie die unvermeidlichen Ratten, diese Tiere verwüsten die Insel sehr.

 

Auf den Galapagos Inseln gibt es Riesenschildkröten, Land- und See-Leguane, flugunfähige Kormorane, seltsame Spottdrosseln und Finken. Diese wissenschaftlich sehr interessanten Inseln sind leider durch ihre Bewohner, die Menschen sowie die eingeführten Tiere, sehr bedroht. Ein Gesetz zum Schutz der Inseln hat es in Ecuador schwer. An einem Treffen internationaler Zoologen in London wurde beschlossen, auf den Inseln ein biologisches Labor einzurichten. Es würde die Forschungen Darwins weiterführen und so ein Schutz eventuell durchsetzen können. Wir haben schon früher über die Inseln Filme gesehen und Berichte darüber gelesen, aber nie wurde erwähnt, dass sie bedroht seien.

Last Friday we passed the Galpagos Islands. They are about 500 miles offshore of the coast of Ecuador of which they also belong to. They are of volcanic origin. 1535 they were discovered by the Spansish Bishop Tomas Berlang. For centuries they were home to pirates and walers. Those were attracted to them because of the abundance of the giant tortoises that served them als living proviant.

 

The archipelago consists of 6 big and 9 smaller and some tiny islands. We passed the largest island in late afternoon, it is called teh Isabella island and it is almost 1800 m high. Lots of granit, rough lava and sandstone. All of the bigger islands have a crater in the middle with multiples adventious craters.

An explorer named Darwin discovered more than 2000 craters on these islands, but 1938 only zwo were still active. The islands look barren and grey but on some places dense brush is growing, specially on the bank.

 

There are orichids that grow on these islands, and shrubs and a peruvian giant cactus, specially on rocky places. But it is planned to grow also sugar cane, cotton and all sorts of fruits. During the past few years dogs, cats, pigs and goats were taken to these islands, and of course the unavoidable rats and all of those animals destroy the islands heavily.

 

On the Galpagos islands there are giant tortoises, land and sea iguanas, flightless cormorants, strange mocking birds and finches. These islands are very interesting for scientists but are very vunerable and therefore very threatened by its inhabitants and the introduce animals. Any law to protect the islands is difficult to maintain in Ecuador.

 

At a congress of international zoologists in London it was decided to install a biologic laboratory on the islands. This would do more research on Darwin's behalf and possibly be able to prevent the flora and fauna from further destruction. We read about these islands before and saw even documentary movies but it never came up that they are threatened.


Delphin dolphin

In der Nähe der Inseln konnten wir erstmals auch Delphine beobachten, leider kreuzten sie nur unseren Kurs und waren nach kurzen Zeit wieder verschwunden, anstatt für eine Weile mit uns zu schwimmen. Sogar Wale haben wir gesehen, man erkennt sie an der Wasserfontäne. Sie waren aber weit weg.

Es weht hier ein kräftiger Wind, so dass die Matrosen rings um die Aussendecks Segeltuch gespannt haben, damit nicht alles fortweht. Aber jeden Tag scheint die Sonne so heiss, dass wir froh sind, wenn sich einmal ein paar Wolken vor die Sonne schieben.

Ein Tag nach den Galapagos Inseln fuhren wir über den Äquator. Kurioserweise hatten wir genau dann kühleres Wetter und richtig kalte Nächte. Auf dem Schiff kam am Tag der Äquator-Überquerung der Meeresgott Neptun für die Kinder, sie trieben jede Menge Unfug. Ich hingegen fühlte mich nicht so gut, denn die Wellen waren sehr hoch, das habe ich im Magen gespürt und mich fror es erbärmlich an Deck. Abends suchte ich dann den Arzt auf, der mir einige Tabletten gab, und seither geht es mir wieder gut.

Close to the island we even could observe dolphins, unfortunately they only crossed our way and dissapeared fast instead of swimming awhile with us. But we even saw wales, you can recognize them by the water fountain. But the wales were far away from the boat.

 

The wind's blowing strongly in the moment and the seamen tightened canvas around the deck so nothing gets blown away. Everyday the sun shines very hot and we are glad to have a few clouds above us for a change.

 

The day after we passed the Galapagos Islands we crossed the equator. Oddly we just then had cool weather with really cold nights. During the equator-crossing Neptune came on board for the children and they did a lot of mischief. I myself felt rather strange that day, freezing with a sick stomach as the waves were quite high. I went to the doctor and his medicine helped so I felt better the next morning.


Tahiti

25. Juli 1964, auf See

Gestern fuhren wir an den Marquis-Inseln vorbei, welche 1559 entdeckt wurden. Sie wurden zu Ehren des Vizekönigs von Peru die Marquis-Inseln genannt. Dieser Marquis sandte eine Expedition. Komischerweise wurden die nur 50 Meilen weiter nördlich liegenden Inseln erst 200 Jahre später durch ein Amerikanisches Handelsschiff entdeckt und hiessen lange Zeit Washington-Inseln. 1842 kamen die Marquis-Inseln unter Französische Herrschaft und sind seither stets Frankreich angegliedert gewesen. Auch sie sind vulkanischen Ursprungs und haben im Innern zackige Berge. Wir werden die enge Wasserstrasse Bordelais durchfahren und zu unserer Linken die Insel Tahuata sehen, wo es eine wunderschöne Bucht gibt, die Captain Cook, ein bekannter Englischer Seefahrer, der auch Neuseeland entdeckt hat, Resolution genannt hat (Der Holländer Abel Tasman entdeckte Nesueeland bereits 1642, ging aber nie an Land.).

 

Wir hatten gestern abend ein Kostümfest, da gab einen Schweizer, der als Wilhelm Tell auftrat, er hatte einen pfeildurchbohrten Apfel dabei. Ausserdem gab es jede Menge Caesars und Kleopatras und einige Seeräuber und Madame Butterfly.

Morgen werden wir sehr früh in Tahiti ankommen. Schon um 7h wird das Frühstück serviert. Theo hat uns für eine Tour auf die Insel angemeldet. Später werden wir baden gehen und spazieren.

Ich hoffe, dieser Brief wird schon am ersten August zu Hause ankommen, wir werden dann zwei Tage später in Wellington in Neuseeland eintreffen. Wir freuen uns auf unsere Ankunft, so Nichtstun auf dem Schiff ist schon schön, aber nach einer Weile möchte man endlich wieder irgendwo daheim sein und etwas arbeiten, es geht allen so. Wir sind natürlich gespannt, was wir unten arbeiten und wo wir wohnen werden. Neuseeland muss sehr vielseitig sein.

Bleibt alle gesund und glücklich, grüsse alle von uns.

25. July 1964, at sea

Yesterday we passed the Marquis-islands, they were discovered in 1559. Their names honored the vice-president of Peru. This Marquis sent an expedition. Strangely enough the islands that lie only 50 miles north of them were only discovered 200 years later by an American merchant vessel and were called Washington-islands at first. 1842 the Marquis island became French and since then they always belonged to France. They also are of volcanic origin and have steep and sharp peaks. We will passe through the narrow Bordelais waterway and on our left side we will see the island Tahuata with it's beautiful bay that was called "Resolution" by Captain Cook, an English explorer, who also discovered New Zealand (Already in 1642 Abel Tasman who was Dutch discovered New Zealand but never set foot on land.).

 

Last night we had a fancy dress party and there was a Swiss guy who performed as William Tell. He even carried an apple pierced by an arrow. Also there were many Cleopatras and Cesars, a few pirates and some appeared as Madam Butterfly.

 

Tomorrow we we will arrive in Tahiti very early in the morning so the breakfast will be served at 7 a.m already. Theo signed us up for a tour on the island. Later on we will swim and go for a walk.

 

I hope you receive this letter until August 1st, two days later we will arrive in Wellington in New Zealand. We look forward to our arrival. Sweet idleness is nice but now we would like to feel at home somewhere again and start working. Everyone feels like that now. We are very curious what kind of job we will get and were we will live. New Zealand must be very versatile.

 

Stay healthy and happy. Kind regards to all.


Briefmarken Tahiti Französisch Polynesien stamps Tahiti French Polynesia

7. August 1964, Neuseeland

Liebe Mutter

Hier in Kürze das Wichtigste seit unserem letzten Brief:

Tahiti hat uns sehr gefallen, ich habe einen Bericht davon angefangen, aber da die Wellen immer grösser wurden, mochte ich gar nicht mehr schreiben. Ich war zwar nicht seekrank, aber einen Tag lang furchtbar müde.

Seit unserer Ankunft in Wellington am Montag überstürzten sich die Ereignisse, und wir sind voll neuer Eindrücke, ausserdem kommen wir gar nicht mehr zum Schreiben, ausser im Zug von Wellington nach Auckland, ich werde es aber nachholen und Euch nicht so im Ungewissen lassen. Vielen Dank für die Briefe in Tahiti und den dicken Überraschungsbrief bei unserer Ankunft in Wellington! Herzlichen Dank, ich beantworte all die Briefe morgen.

Meinen Geburtstag haben wir klein, aber ganz nett gefeiert, vielen Dank für die guten Wünsche.

7. August 1964, New Zealand

Dear mother

Just in short the most important news since our last letter:

We liked Tahiti a lot, I started a report about it but when the waves got bigger and bigger I wasn't able to write anymore. I wasn't seasick but felt so tired for a few days.

 

Since our arrival on Monday the events here rushed and we are full of new impressions, besides we didn't have time to write letters only in the train to Auckland, but I definitively will catch up and not keep you in suspense. Thank you very much for the letters we received in Tahiti and for the big suprise letter that awaited us in Wellington on our arrival!

Thank you so much, I will answer the letters tomorrow.

 

Yes, we celebrated my birthday on the boat with a few new friends, thank you for your wishes.


Passagierliste Remuera passenger list Remuera

Nun gab 's bei unserer Ankunft für uns eine Riesenüberraschung, Grace und Daniel mit ihrer Tochter Hannah, 10 Jahre, begrüssten uns. Du weisst doch, sie wohnen in Taranaki, 200 Meilen mit dem Auto entfernt. Wir freuten uns so sehr. Dann haben wir den ganzen Tag bis zu unserer Abreise nach Auckland mit ihnen verbracht. Wir haben versprochen, sie baldmöglichst zu besuchen. Die ganze Nacht hindurch fuhren wir mit dem Zug. In Auckland wurde uns in einem Immigrationslager ein Zimmer angewiesen, für die Not war es ganz gut, aber es war furchtbar kalt dort, so suchten wir etwas anderes. Mit einer jungen Frau aus Spanien, die auch mit uns auf dem Schiff gewesen war, haben wir zwei Zimmer gemietet in einem Haus, so haben wir wenigstens eine eigene Küche und können nach unserem Geschmack kochen. Wir suchen aber weiter nach einem kleinen Haus für uns zwei oder zusammen mit Conchita.

 

Gestern schon haben wir angefangen zu arbeiten, Theo arbeitet in einem grossen Heizungsunternehmen, teilweise auf dem Bau und dann wieder im Büro, sie haben ihm gesagt, wenn er besser Englisch kann in 2-3 Monaten, würde er als Techniker angestellt. Er muss schon um 6h aufstehen, der Bus fährt um 7h. Conchita und ich arbeiten als Fürsorgerinnen, gestern und heute waren wir auf dem Büro vom Amt, ab Montag werden wir wahrscheinlich das erste Mal in einen Haushalt geschickt, wo sie vorübergehend eine Hilfe brauchen, weil gerade ein Baby angekommen ist oder die Mutter krank ist. Voraussichtlich werden wir genug zum Leben verdienen, aber wir werden, sobald wir eine wärmere Wohnung haben, damit wir abends lernen können, in die Abendschule gehen. Wenn ich Englisch-Steno kann, kann ich als Sekretärin arbeiten und verdiene einen ganzen Drittel mehr.

On our arrival there was a surprise for us waiting for us: Grace, Daniel and their daughter Hannah, 10 years old, were there to welcome us. You remember, they live in Taranaki, 200 miles by car from Welllington. We spent our whole day with them till the departure to Auckland. And we promised to visit them as soon as possible.

 

We took the night train to Auckland where we assigned to a room in an immigration camp. It was okay for the time being but as it was quite freezing there we were looking for something else. Together with a woman from Spain who also was on the boat with us we rented two rooms in a house and now have at least our own kitchen and can cook as we like to. But we are still looking for a small house for both of us or together with Conchita.

 

Yesterday we already started working, Theo works in a huge heating company, partly on the building site, partly in the office. And they told him that in about 2-3 months when his English improved he will get a job there as technician. He has to get up at 6 a.m., the bus leaves at 7 a.m. Conchita and me, we are working as maids in the welfare system, yesterday and today we have been to the main office to get our instructions and from Monday on we possibly will be sent to a household where they need our help because a baby arrived or the mother is ill.

 

Presumably we will earn enough to live on it, but as soon as we will have a warmer flat we will study in the evening and sign up for the evening classes. If I master shorthand-English I will get a job as a secretary and will earn at least one third more than now.


Briefmarke Neuseeland stamp New Zealand

Wir frieren hier, weil wir jetzt manche Woche lang warmes Wetter hatten, also auf dem Schiff, und zu Hause war es ja Sommer, als wir abreisten, und hier ist es auf einmal so kalt, es ist Winter, zwischen 9 und 14 °C, aber in keinem Haus ist eine Heizung. Die Neuseeländer sagen, wir würden uns schon daran gewöhnen.

 

Das Leben ist billig hier für uns, aber wohnen ist ungefähr gleich teuer wie zu Hause, obwohl die Häuser zum Kaufen günstig sind. 1 Pfund, also ein Englisches Pfund, nämlich nur 450 g, Butter ist viel billiger als bei Euch, auch Fleisch und Gemüse ist sehr günstig im Vergleich.

 

Sonst geht alles prima, wir haben Arbeit und ein Haus mit einer Küche, alle sind gesund und die Leute sind nett, nur das Wetter nicht, das ist nasskalt, es regnet etwa 30 mal pro Tag 20 Minuten lang wie aus Kübeln.

Herzlicher Gruss

We are freezing here because for weeks we had warm or even hot weather on our journey, and at home it was summer when we left and here it is suddenly cold, it is winter and between 9 and 14°C but no house has a heating system. The New Zealanders assure us that we will get used to it.

 

Life is cheap for us here, but renting is about the same price like at home even the houses themselves are low priced to buy. 1 pound, an English pound, is only 450 gr, butter is cheaper than for you and also meat and vegetables are not expensive here.

 

Otherwise we are well, we have work and a little house with two rooms and a kitchen, all is healthy and the people are nice only the weather isn't, it is cold and damp and it rains 30 times each day during 20 minutes buckets.

Affectionate regards


Neuseeland Auckland 1960er New Zealand Auckland 1960's

9. August 1964, Auckland

Liebe Mutter,

Wir frieren jetzt nicht mehr! Wir haben erstens Wärmflaschen gekauft, und es ist wunderbar warm damit, ausserdem ist die Sonne wieder gekommen, und im nächsten Monat soll es ja schon schön warm sein, sagen sie hier. Wir waren heute bei unserem Vermieter eingeladen, er ist ungefähr 50. Die Familie kam vor zwei Jahren nach Neuseeland, es findet dieses Land das schönste der Welt, aber seine Frau hat noch etwas Heimweh nach England. Sie wohnen in einem sehr schönen Viertel in Auckland.

 

Hier trinken wir viel Tee, vor allem zum Frühstück. Es gibt sehr guten Tee zu kaufen. Kaffee trinken wir kaum mehr. Die Milch ist sehr gut hier. Konfitüre ist sehr teuer, dafür ist der Honig günstiger.

 

Der Vermieter fährt einen alten Jaguar, der ist sehr bequem. Nach dem Essen fuhren wir mit dem Auto in die Stadt, die sie uns unbedingt zeigen wollten. Die Stadt ist riesengross, ich glaube, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie es aussieht: Soweit Du sehen kannst, über Hügel und Ebenen verteilt alles Einfamilienhäuschen, keines gleich wie das andere, alle in verschiedenen Pastellfarben. Sehr schön und immens gross.

9. August 1964, Auckland

Dear mother

We're not cold anymore! Firstly we bought several hot-water bottles and we are so cosy with them, and the sun's back, and next month it will be already nice and warm so the say.

 

Today we were invited to our landlord, he is around 50 years old. He and his family come to live in New Zealand two years ago and he thinks this is the most beautiful land in the world but his wife is still homesick for England. They live in a very nice quarter in Auckland.

 

We drink a lot of tea here, mainly for breakfast. There is very good tea to buy. We hardly drink coffee anymore. The milk tastes very nice here, and jam is expensive but honey is a lot cheaper than at home.

 

The landlord drives an old Jaguar, very comfortable. After lunch we drove through the city, they wanted to show us many places. This city is tremendous, you won't be able to imagine what it looks like: houses scattered all over hills and plains, all are single-familiy homes, not one similar to the next one, all painted in pastell colours. So beautiful and immense large.


Devonport

Wir fuhren eine Zeit lang durch diese Stadt und kamen dann immer mehr in den sogenannten Busch, die Gärten wurden grösser, aber mit der Zeit war mehr Urwald als Häuser da. Das sieht sehr schön und romantisch aus und ist im Grunde genommen gar nicht weit von der City mit dem Auto, Neuseeländische Verhältnisse. Zwischen den Hügeln sieht man dann auf einmal das Meer, das heisst, eine Bucht, es ist wunderschön. Das blaue Meer, der Urwald und ein paar freundliche Häuser. Wir haben uns nicht vorgestellt, dass Neuseeland so wunderschön ist, so nah an der Stadt, oder besser gesagt, am Stadtrand. Ein Vergleich mit Süd-Auckland, vielleicht 30-40 km weiter weg: Dort hat es flaches Weideland und hier Busch und wild aussehende Hügel. In dieser wunderschönen Gegend kann man die Bauparzelle sehr günstig bekommen, Strom und Wasser ist bereits drin und sicher auch eine schöne Strasse, die daran vorbeiführt. Nur muss man natürlich ein Auto haben. Im Sommer muss es wunderbar sein dort, denn jetzt ist es Winter, und auch jetzt gefällt es mir. Bäume und Sträucher blühen, und es gibt viele Blumen in den Gärten. Sogar Palmen und Orangenbäume wachsen in den Gärten, wobei die Orangenbäume übervoll mit Früchten sind.

We drove a while through this city and the gardens got bigger and bigger and there was more and more of the New Zealand bush and then there was more bush than gardens. It looks very romantic and so beautiful and is actually by car not that far from the city, New Zealand proportions.

 

Between the hills one suddenly can see the sea, a bay, it is wonderful. The blue sea, the bush and a few friendly looking houses. We couldn't imagine that New Zealand is so lovely, so close to the city or to it's suburbs. In comparison to south-Auckland that is about 30-40 km away from here: there you rather find plains with meadows but here is only bush and wild looking hills. In this region you can buy a section for building a house inexpensivly, electrical power and waterpipes already whit it and of course a nice little road that it lies on. But you have to have a car, that is for sure. In summer it must be great, even now in winter I like it a lot. Trees and shrubs are blooming, and there are so many flowers in the the gardens. Even palm trees and orange trees grow there, and the latter carry plenty of fruits in the moment.


Aerogramm aerogramme New Zealand

Wenn du einmal kommst, werden wir Dir das alles zeigen, und auch Du wirst finden, dass es ein Paradies ist. Wir kennen doch jetzt Tahiti, aber wir sind sicher, dass es hier ebenso schöne Buchten und Strände gibt wie dort. Die Vermieter haben uns dann in ein Englische Teehaus eingeladen, wo es neben vorzüglichem Tee auch belegte Brote und süsses Gebäck gab, unter anderem Scones mit Butter und Konfitüre und geschlagenem Rahm. Den Tee konnte man selber nachfüllen, es stand eine Kanne auf dem Tisch.

 

Theo hat gestern abend festgestellt, dass im grösseren der beiden Zimmer, wir nennen es 'die gute Stube' oder manchmal 'Salon', ein Kamin steht, der allerdings hinter einem grossen Kasten versteckt war. Wir fragten den Vermieter, ob wir darin ein Feuer machen dürften, was er selbstverständlich bewilligte. Morgen kaufen wir Holz, und dann haben wir eine perfekt warme Wohnung. Da die Läden Samstag und Sonntag jeweils geschlossen sind, müssen wir fürs Wochenende immer schon am Freitag einkaufen, dann sind sie aber bis um 21 Uhr geöffnet. Die Haupteinkaufsstrasse in Auckland heisst Königin Strasse: Queen Street, sie ist ziemlich lang, und ein Laden reiht sich an den nächsten, und man kann dort alles bekommen. In der Innenstadt sind die Häuser ausschliesslich aus Stein und nicht etwa aus Holz. Die Strassen sind steil dort, es geht stets bergab oder bergauf. Es gibt zwar kein Tram, aber alle Busse starten von dort in die Aussenquartiere.

 

Morgen werden Conchita und ich je bei einer Familie anfangen, ich bin gespannt. Die Institution, für die wir arbeiten, ist eine soziale Einrichtung, sie bezahlen nur 8 Pfund die Woche, wir bekommen jedoch 10 Pfund und 6 Schillinge, denn die Auslagen für den Bus werden ebenfalls erstattet.

1 Pfund hat 20 Schillinge, und 1 Schilling 12 Pence: man schreibt z.B. 3 Pfund + 8 Schillinge + 3 Pence = £ 3/8/3)

Herzliche Grüsse

When you once will visit we would love to show you around and you will see it really looks like a paradise. We saw Tahiti and we loved it but we are sure that here the bays and beaches are as beautiful as there. The landlord invited us into an Englisch tea house where you get, beside beautiful pots of tea of course, many sandwiches and cookies and scones with butter and jam and whipped cream. We had our own teapot on the table and could refill our cups ourselves.

 

Last night Theo discovered in the larger of our rooms that we like to call "salon" a fireplace that was hidden behind a huge wardrobe. We asked the landlord if we are allowed to use it and he said yes of course we are.

Tomorrow we will buy a lot of wood billets and then finally we have it warm and cosy in our flat. Because the shops are closed during the whole weekend, Saturday and Sunday, we have to shop already on Friday for the weekend, but then the stores are open till 9 p.m.

The main shopping street in Auckland is called Queen Street. It is very long and one shop sits beside the next. We can get everything there. In downtown Auckland the houses are built only with concret or stone and are not wooden like the houses in the suburbs. The streets are very steep and it always goes up or down. There's no tramway there but all the busses start from here to the suburbs.

 

Tomorrow Conchita and I will start working each in a family that needs help. The institution we work for is a charity network and therefore the wages are low. We get 8 pounds per week but because we have to pay for the busrides also, we will get all in all 10 pounds and 6 shillings.

1 pound has 20 shillings, and 1 shilling has 12 pence: e.g. you write for 3 pounds + 8 shillings + 3 pence = £ 3/8/3.

Affectionate regards

 


Briefmarken Neuseeland stamps New Zealand

16. August 1964, Auckland

Liebe Mutter

Anhand des Absenders hast Du sicherlich bemerkt, dass wir umgezogen sind. Wir sind sehr glücklich, diese Wohnung gefunden zu haben, sie ist in einem anderen Stadtteil, einem sehr schönen nebenbei bemerkt, in einem grossen Haus mit 4 Wohnungen, aber alle sind ebenerdig. Es gibt 2 Schlafzimmer und ein schönes Wohnzimmer mit Kamin und eine hübsche Küche und ein Badezimmer für uns allein. Die Waschmaschine ist hinter dem Haus in einem Waschhäuschen für alle vier Wohnungen zusammen. Die Böden sind mit Spannteppichen belegt, und vor dem Haus hat es einen kleinen Rasen. Ausser Theo und mir werden auch Conchita und Anne hier wohnen. Die Bushaltestelle ist gerade vor dem Haus, mit dem Bus ist es etwa 25 Minuten bis in die City. Wir haben die Wohnung möbliert gemietet.

Von unserem Gepäck in den Überseekoffern wissen wir nichts neues, aber das Schiff, mit welchem sie kommen, ist auf alle Fälle ein Neuseeländischer Frachter, Frachter haben immer viel länger als Passagierschiffe, weil sie mehr Häfen anlaufen.

Ich habe mich jetzt daran gewöhnt, dass hier Winter ist, aber für mich ist es eher Februar als August. Ich glaube, es dauert noch ein Weilchen, bis Juli und August für mich nicht mehr Sommer bedeutet.

Mit der Sprache geht es immer besser, wenn man den ganzen Tag nichts als Englisch hört, kann man sich gut darin üben.

Wir werden uns zuerst einleben, bis wir wissen, wohin wir gehören und ob wir in einen andere Stadt ziehen. Hier macht man alles selber, am Haus, im Garten, vor allem am Wochenende. Wir sparen für ein Stück Land, mein Zahltag geht jetzt immer auf die Bank, und wir leben von Theos. So können wir vermutlich in etwa einem Jahr ein Stück Land kaufen (ich verdiene 11/14/2).

16. August 1964, Auckland

Dear mother

By the sender-address you probably could tell that we shifted houses. We are very happy that we found this new flat, it is far away from the last one and in a big house with 4 flats, all at ground level. There are 2 bedrooms and a nice living room with fireplace and a nice kitchen and a bathroom only for us. The washing machine is in the back of the house in a shed for the use of all 4 flats. The floors are covered with nice carpet and in front of the house is a small patch with lawn. We live together with Anne and Conchita. The bus stop is exactly in front of the house and it takes 25 minutes to downtown Auckland. We rented the flat already furnished.

 

We still don't know anything about the whereabouts of our trunks we sent by cargo. But the cargo ship is definitively a New Zealand one and it always takes a lot longer by cargo ship than by passenger ship because they have to land on each port.

 

I adjusted to the fact that we have winter now but to me this rather means February than August. I guess it takes a while till July an August doedn't automatically mean summer to me.

 

Our English is a lot better now as we only hear English all day, so that is a good training. We will settle in first before we know where we belong to and if we will move to another city. Here people do everything themselves, repairs on the house, in the garden, specially on the weekends. We are saving hard so we can buy a section, my pay goes now directly to the bank and we live on Theo's. That way we maybe will be able to buy a piece of land in one year's time (I earn 11/14/2).


Harbour Bridge Auckland Hauraki Gulf

18. August 1964, Auckland

Heute haben wir von Dir einen Brief bekommen, und einen von Theos Eltern. Es gibt jetzt schon Frühlingstage, aber dann regnet es wieder in Strömen. Das soll bald besser werden, sagen die Neuseeländer. Ich habe jetzt eine bessere Arbeit, sie sind sehr freundlich.

 

Ich möchte bald eigene Konfitüre kochen, weil die hiesige ja so teuer ist. Schickst Du mir ein Rezept? Ich werde auch exotische Früchte für die Konfitüre ausprobieren. Es gibt hier zum Beispiel einen Baum, an dem eine Art Tomaten wachsen. Es sind natürlich nicht richtige Tomaten, sie heissen Tree Tomatoes (= Baum Tomaten) oder auch Tamarillo und schmecken leicht säuerlich-süss.

 

Wir hoffen, Ihr kommt uns einmal hier in Neuseeland besuchen, damit wir Euch alles zeigen können. Es würde Euch gut gefallen.

 

Vielen Dank für den Taufschein.

Sobald das Wetter etwas besser geworden ist, werden wir einmal nach Taranaki fahren, um unsere entfernten Verwandten zu besuchen. Wir haben gedacht, es wäre unter Umständen sehr nett, uns dort trauen zu lassen.

 

Ich werde ab morgen jeden Tag Steno lernen, auch wenn ich abends eigentlich dafür zu müde wäre. Aber ich möchte gerne als Sekretärin arbeiten, man verdient auch wesentlich mehr.

Wir sind zwar schon in die neue Wohnung eingezogen, sie ist aber noch nicht fertig möbliert.

 

Wenn ich jeden Morgen über die Harbour Bridge fahre, empfinde ich grosse Freude, dass wir hier sein können. Wir fühlen uns schon sehr daheim hier. Der Radiosender hier bringt übrigens auch schon 'mal Musik von Zuhause.

Viele herzliche Grüsse

18. August 1964, Auckland

Today we received a letter from you and one from Theo's parents. There are spring days now but on some other days it pours again and is cold. It should turn to the better soon they say. Now my work improved, they are very friendly there.

 

I would love to cook my own jam because the one in the shops is incredibly expensive. Can you send me a recipe? I will try it also with exotic fruits. For exemple there is a tree growing here with fruits that look a bit like tomatoes. Of course they are not real tomatoes, they are called Tree Tomatoes or Tamarillos and their taste is sweet-sourish.

 

We hope you will visit us sometime here in New Zealand so we can show you everything. You would like it here.

 

Thank you very much for the certificate of baptism.

As soon as the weather has improved we will drive down to Taranki to visit our distant relatives there. We thought it may be nice to get married down there in a little church.

 

Tomorrow I will start learing shorthand writing everyday even if I will be too tired in the evening. But I would like to work as a secretary, I will earn a lot more then.

 

We moved into our new flat even it is not yet fully furnished.

 

Each morning when I drive over the Harbour Bridge I feel so happy and privileged to be here. We feel very much at home now already. By the way, the radio station here is broadcasting sometimes music from home.

Affectionate regards


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